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Das Nerven wachstumshemmende Eiweiss Nogo – von der Entdeckung zur Entwicklung einer Therapie

Der berühmte spanische Neurowissenschaftler Santiago Ramon y Cajal konnte schon 1911 in Transplantationsexperimenten an Kaninchen zeigen, dass im erwachsenen Organismus verletzte Nervenfasern der ZNS-Faserbahnen im Gegensatz zum PNS nicht nachwachsen (regenerieren). Pflanzte er hingegen ein Stück des Ischiasnervs (PNS-Nerv) in die durchtrennte Hirnrinde eines Kaninchens ein, so beobachtete er, dass ZNS-Nervenfasern in das transplantierte PNS-Gewebe einwuchsen. Bedeutete dies, dass Nervenfasern des ZNS unter bestimmten Bedingungen doch zum Auswachsen angeregt werden könnten? Dieser Frage gingen Forscher erst in den 1980er-Jahren wieder nach, da die Erkenntnisse von Cajal in Vergessenheit geraten waren.

In den 80er-Jahren wurden dann erstmals überzeugende Hinweise für wachstumshemmende Substanzen in der Umgebung von ZNS-Nervenzellen gefunden. Dabei wurde gezeigt, dass eine implantierte Brücke eines peripheren Nervs das Auswachsen von ZNS-Neuronen zuliess bzw. gar erst ermöglichte, ein ZNS-Transplantat hingegen das Nervenwachstum hemmte. Diese Experimente deuteten darauf hin, dass ein oder mehrere Myelinkomponenten das Nervenwachstum im ZNS verhinderten. Daraus resultierte die Hypothese, dass Faktoren aus dem ZNS-Gewebe das Faserwachstum im ZNS hemmen und dass diese im ZNS-Myelin zu finden sind.

Abb. 6: Das Nerven wachstumshemmende Eiweiss Nogo-A.

Durchtrennte Nervenfasern im Rückenmark können nicht mehr auswachsen, da das Eiweiss Nogo-A (in grün) eine Regeneration verhindert. Es signalisiert den Nervenfasern «Stopp, hier geht es nicht weiter». Neutralisiert man Nogo-A mit Antikörpern, so können die Nervenfasern zum Teil wieder auswachsen. Auch unverletzte Nervenfasern können spriessen und Funktionen geschädigter Fasern übernehmen.