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Die Funktion des Rückenmarks

Zusammen mit dem Gehirn bildet das Rückenmark das Zentralnervensystem (ZNS). Das Rückenmark dient der Kommunikation zwischen dem Gehirn und den inneren Organen, den Muskeln und der Haut. Der Durchmesser des Rückenmarks eines Erwachsenen entspricht an seiner dicksten Stelle ungefähr demjenigen eines Fingers. Das ist erstaunlich, weil darin alle vom Gehirn absteigenden und zum Gehirn aufsteigenden Nervenbahnen verlaufen – insgesamt mehrere Millionen Nervenfasern.

Abb. 2: Anatomische Gliederung des Rückenmarks.

Das Rückenmark besteht aus fünf Bereichen: Halsmark, Brustmark, Lendenmark, Sakralmark und Schwanzmark. Die Spinalnerven verlassen das Rückenmark durch die Zwischenwirbel-Räume und versorgen jeweils bestimmte Organe des Körpers.

Die anatomische Gliederung des Rückenmarks in fünf Abschnitte erfolgt entsprechend der Austrittstellen der Spinalnerven (Abb. 2): das Hals- oder Zervikalmark mit Spinalnerven C1–C8, das Brust- oder Thorakalmark mit Spinalnerven T1–T12, das Lenden- oder Lumbalmark mit Spinalnerven L1–L5, das Kreuz- oder Sakralmark mit Spinalnerven S1–S5 sowie das Schwanzmark, das beim Menschen nur rudimentär vorhanden ist. Jeder Spinalnerv versorgt einen bestimmten Körperteil oder ein bestimmtes Organ. Grob gesehen versorgen die zervikalen Spinalnerven den Hals, die Arme und die Atmungsorgane, die thorakalen kontrollieren die Haltung und viele der inneren Organe, die lumbalen die Beine und Füsse und die sakralen Nerven regulieren die Blase, den Darm und die Sexualorgane. Interessanterweise ist das Rückenmark deutlich verdickt an denjenigen Stellen, wo die Spinalnerven, welche in die Arme und in die Beine laufen, das Rückenmark verlassen. Dies deutet daraufhin, dass die Bewegungskontrolle der Arme und Beine komplex ist und eine grosse Anzahl motorischer Nervenzellen (Motoneurone) und Schaltkreise erfordert. Motoneurone sind Nervenzellen, die im Rückenmark liegen und deren Nervenfortsatz zu den Muskeln führt (siehe Abb. 3).

Beim Erwachsenen endet das Rückenmark auf Höhe des ersten Lendenwirbels, aber vor der Geburt reicht es bis zum Kreuzbein und beim Säugling bis zu den unteren Lendenwirbeln. Dies, weil die Wirbelsäule während der Entwicklung schneller wächst als das Rückenmark. Dieses Phänomen hat zur Folge, dass die Spinalnerven – das sind diejenigen Nerven, die aus dem Wirbelkanal austreten und in die Peripherie des Körpers führen – im unteren Bereich einen immer länger werdenden Weg innerhalb des Wirbelkanals zurücklegen, bevor sie ihn verlassen können. Am Ende des Rückenmarks – also ab dem 1. Lendenwirbel – verlaufen im Wirbelkanal nur noch die Spinalnerven. Sie bilden die Cauda equina, was «Pferdeschweif» bedeut